Mitgliederversammlung am 24. September 2026

Ein Nebenjob fürs eigene Auto

Von Peter Dietrich

Ein Auto ist dazu da, von Punkt A nach Punkt B zu fahren? In Zukunft vielleicht nicht nur das. Ein E-Auto könnte nebenbei auch als Energiespeicher dienen. Wolfgang Maier, Leiter technische Dienste bei den Stadtwerken Nürtingen, verfolgt die aktuellen Entwicklungen ganz genau.

Hätte ein E-Auto-Fahrer im Jahr 2012 von Hamburg zum Bodensee fahren und überall tanken können wollen, hätte er damals 27 verschiedene Ladekarten gebraucht. Heute gebe eine einzige Ladekarte der Stadtwerke Nürtingen Zugang zu über 300.000 Ladepunkten in ganz Europa, sagte Maier bei der Mitgliederversammlung der Kfz-Innung Nürtingen–Kirchheim unter Teck im K3N in Nürtingen. „Das Laden wird immer problemloser.“

Nicht problemloser, sondern leider immer schlimmer werde die Regulierungswut, beklagte dort Kreishandwerksmeister Karl Boßler. Zum 27. September wurden gleich zwei neue EU-Labels zu Gewährleistung und Garantie verpflichtend. Bestimmte Begriffe wie „Nachhaltigkeit“ dürfen künftig nur noch in Kombination mit strengen Nachweisen verwendet werden. „Ich weiß nicht, wer sich so etwas ausdenkt.“

Sara Kurz musste sich nicht lange ausdenken, was sie mit ihrem neuen Werkzeugkoffer macht: „Der kommt gleich ins Auto.“ Sie bekam den Koffer neben einer Urkunde für ihre hervorragende  Gesellenprüfung (Note 1,6) überreicht. Die Kfz-Mechatronikerin, Fachrichtung Nutzfahrzeugtechnik, wurde bei Russ Jesinger in Dettingen unter Teck ausgebildet.

Das dort oder in einem anderen Autohaus ein Kunde fragt, „Kann mein E-Auto mein Haus versorgen?“, ist ungewöhnlich. Noch, sagte Maier den Innungsbetrieben: „Kunden werden Sie darauf ansprechen“. Die aktuelle Antwort sei „teilweise ja“. Denn das bidirektionale Laden funktioniert nur als Gesamtsystem: Das Auto mit seiner Batterie, die Wallbox, Stecker und Kabel, die Software zur Abrechnung, der Netzanschluss und schließlich der Vertrag müssen alle zusammenpassen. Dabei sind die Möglichkeiten des bidirektionalen Ladens vielfältig: vom Laden mobiler Verbraucher wie Werkzeuge und Laptops („Vehicle to Load“) bis hin zur Königsdisziplin, dem zeitweisen Einbinden in das Stromnetz („Vehicle to Grid“).

Nicht nur bei der Ladetechnik sind die Innungsbetriebe bestens informiert, in Kürze gibt es auch Schulungen zur KI-gestützten Schadenskalkulation und zum Auftritt der Betriebe auf Social Media.

Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) bietet bei Karosserieschäden ein System zur Erstkalkulation auf Basis von Fotos an. Diese Fotos kann ein Kunde anhand eines Links, den ihm seine Werkstatt sendet, zuhause selbst aufnehmen. Vor Ort in den Autohäusern aufgenommen wurden hingegen zahlreiche Kurzvideos zum Kirchheimer Autosalon. „Unsere Follower auf Instagram haben wir uns hart erkämpft“, sagte Ana Schmauder, die zum jungen Drehteam gehörte. Das erfolgreichste Video zählte rund 6.000 Zugriffe. Die guten Erfahrungen aus dieser Pionierarbeit gibt die Innung nun an andere Betriebe weiter.

In 50 Jahren noch viel mehr Erfahrung gesammelt hat die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ), sie macht pro Jahr knapp neun Millionen Haupt- und Abgasuntersuchungen. Doch sie könne viel mehr, erklärte Wolfgang Hennig, der dort OEM-Hersteller betreut. Sie wertet auf Wunsch auch aus, wie gut und kundenfreundlich ein Kfz-Betrieb ist – und was es bei ihm noch zu verbessern gibt.